Alexanders „Tyrus-Trick“, Tyrus und biblische Prophetie

Im Jahr 332 v. Chr. ließ Alexander der Große innerhalb von sieben Monaten einen etwa 60 Meter breiten Damm zwischen dem Festland und der anno dazumal etwa einen Kilometer davor liegenden Insel, auf dem sich damals der Stadtkern des antiken Tyrus befand, errichten, um so an die einst als uneinnehmbar geltende Stadt heranzukommen, sie schließlich einzunehmen und den Untergang des persischen Großreichs einzuläuten.

Zur damaligen Zeit war Tyrus die wichtigste phönizische Küstenstadt unter persischer Herrschaft. Der Handelsverkehr lief vom Roten Meer und vom Indischen Ozean durch den Hafen von Elath über Petra nach Rhinocolura in Phönizien und von dort aus in alle Mittelmeergebiete mit Schiffen von Tyrus. Tyrus war sozusagen die „Herrin der Meere“, das jahrhundertelang Handels- und Umschlagszentrum der Welt war. Folglich floss enormer Reichtum in diese Stadt - der später einen anderen Weg finden sollte.

Rätsel um den Bau des Damms

Bis vor wenigen Monaten standen Forscher vor einem Rätsel: Wie konnte Alexander mit seinem Heer solch eine legendäre Leistung vollbringen und einen Damm mit den zu dieser Zeit vorhandenen technischen Möglichkeiten bauen?

Nun meinen (Geo-)Archäologen eine mögliche Erklärung gefunden zu haben: Die Felsen um Tyrus bestehen aus besonderen Sandsteinen, die schnell erodieren. Somit könnte das Meer die Küste umgeformt und das „Becken“ fortgespült haben. So dehnte sich womöglich die Insel bei der Stadtgründung wohl nur noch etwa einen Kilometer aus und war durch die Entfernung zum Festland ein sicherer Hort, wodurch sie als uneinnehmbar galt.

An der Ostseite der Insel lagerten sich zwischen ihr und der Küste aufgrund der verringerten Wellenenergie und Wasserbewegung Sedimente ab. So konnte ein etwa ein bis zwei Meter unter die Wasseroberfläche reichender, natürlicher Damm entstehen. Alexander und seine Truppen, sowie seine bereits verbündeten Phönizier nutzen diese schlichte, „natürliche“ Beihilfe und machten sich so selbst den Weg zur Einnahme von Tyrus frei. Als Baumaterial dienten ihnen den Überlieferungen zufolge Holz aus dem Libanongebirge und Steine und Erde aus der zuvor zerstörten Stadt auf dem Festland.

Durch Alexanders Eroberung verlor die Stadt den Platz in der Welt den sie damals innehatte und bekam diesen nie wieder zurück auch wenn sie sich von den Rückschlägen bis zu einem gewissen Grad immer wieder erholte.

Tyrus in der Bibel

Auch die Bibel beschäftigt sich mit dem Untergang der Stadt Tyrus – und zwar mindestens 3, bzw. 200 Jahre vorher. Wir wollen jetzt einmal ganz unvoreingenommen, ohne philosophische Vorurteile, intellektuelle Ausreden und metaphysische Spekulationen an die Glaubwürdigkeit der prophetischen Aussagen der Bibel über Tyrus herangehen.

Ich zitiere aus Platzgründen nur einige wenige prophetische Aussagen aus der Bibel, aus dem 26. Kapitel des Propheten Hesekiel, der um 593-571 v. Chr. gelebt hat (den kompletten Abschnitt kann man hier lesen):

Vers 3: darum, so spricht der Herr, HERR: Siehe, ich will an dich, Tyrus, und ich werde viele Nationen gegen dich heraufführen, wie das Meer seine Wellen heraufführt.

Vers 4: Und sie werden die Mauern von Tyrus zerstören und seine Türme abbrechen; und ich werde seine Erde von ihm wegfegen und es zu einem kahlen Felsen machen.

Vers 7: Denn so spricht der Herr, HERR: Siehe, ich werde Nebukadrezar, den König, von Babel, den König der Könige, von Norden her gegen Tyrus bringen, mit Pferden und Wagen und Reitern und mit einer großen Volksschar.

Vers 8: Er wird deine Töchter auf dem Land mit dem Schwert töten; und er wird Belagerungstürme gegen dich aufstellen und einen Wall gegen dich aufschütten und Schilde (d. h. Schutzdächer aus Schilden) gegen dich aufrichten,

Vers 12: Und sie werden dein Vermögen rauben und deine Waren plündern und deine Mauern abbrechen und deine Prachthäuser niederreißen; und deine Steine und dein Holz und deinen Schutt werden sie ins Wasser werfen.

Vers 14: Und ich werde dich zu einem kahlen Felsen machen; ein Ort zum Ausbreiten der Netze wirst du sein, du wirst nicht wieder aufgebaut werden. Denn ich, der HERR, habe geredet, spricht der Herr, HERR.

Vers 21: Zum Schrecken (eig. Zu Schrecknissen) werde ich dich machen, und du wirst nicht mehr sein; und du wirst gesucht und in Ewigkeit nicht wieder gefunden werden, spricht der Herr, HERR. (Hesekiel 26, 3.4.7.8.12.14.21)

Aus diesen Versen lassen sich folgende prophetische Aussagen ableiten:

  1. Viele Länder/Nationen würden gegen Tyrus sein
  2. Nebukadrezar würde die Festlandstadt zerstören
  3. Tyrus würde zu einem nackten Felsen und flach wie die Oberfläche eines Felsen sein, wo Fischer ihre Netze ausspannen
  4. Der Schutt (der Festlandsstadt) würde ins Meer geworfen
  5. Die Stadt solle nie wieder aufgebaut werden
  6. Die Stadt solle nie wieder gefunden werden

Geschichte, Ereignisse und Erfüllungen im Überblick

Wer ein wenig den historischen Ablauf der phönizischen Gegend um Tyrus kennt oder mit der Epoche des Hellenismus vertraut ist, wird schnell merken, dass es hier nicht um einen menschlich-sinnreichen Untergang geht, sondern, dass sich die Prophezeiungen bis ins Detail erfüllt haben und somit göttlichen Ursprungs sein müssen.

585-573 v. Chr.: Nebukadrezar II belagert die Stadt 13 Jahre lang und handelt Bedingungen mit Tyrus aus. Diese erkennt die babylonische Oberherrschaft an.

573 v. Chr.: Nebukadrezar zerstört die Festlandstadt (Auss. I). Mehrzahl der Einwohner rettet sich auf die Insel und gründet dort neue Stadt. Diese Stadt bleibt noch paar hundert Jahre mächtig.

538 v. Chr.: Tyrus kommt mit Rest Phöniziens unter die Oberherrschaft des achämenidischen Persiens.

332 v. Chr.: Alexander der Große marschiert nachdem er Darius III. bei Issus besiegt hat, südwärts Richtung Ägypten. Auf dem Weg dorthin fordert er die phönizischen Städte auf, ihm ihre Tore zu öffnen. Er muss die Stadt belagern, da der Widerstand groß ist. Während Nebukadrezar die Stadt auf dem Festland eingenommen hatte, plant Alexander nun, sich die ganze Stadt zu unterwerfen. Dazu ist der Bau einer Landbrücke notwendig, mit der er die Stadt auf dem Festland mit der auf der Insel verbindet. Als Material verwendet er insbesondere den Schutt den Nebukadrezar und er selbst aus der Stadt gemacht hatten. Der Schutt wurde, gemäß den Aussagen der Bibel (Auss. IV), ins Meer geworfen. Am Ende der Mole errichtet er Belagerungstürme und Angriffsmaschinen.

Als die Tyrianer Alexander beim Bau des Dammes stark behindern fordert er von besiegten Untertanen Schiffe (224 Stück) ein (Auss. I). Mit solch einer Flotte hat Alexander es nun nicht mehr allzu schwer den Bau des Dammes nahezu ungehindert fortzuführen und die Stadt schließlich zu erobern. Ein kleiner Teil (8000) wird umgebracht, der andere wird als Sklaven (30000) verkauft.

314 v. Chr.: Tyrus wird nach fünfzehnmonatiger Belagerung von einem Diadochen von Alexander d. Gr. (Antigonos) erneut eingenommen, nachdem sie sich schnell von dessen Eroberung erholt hatte, wenngleich sie nie in die Stellung zurückkam, in der sie noch etwa 20 Jahre vorher gewesen war.

285-247 v. Chr.: Regierungszeit des Ptolemäus II Philadelphus. „Er ließ den Hafen von Berenike am Roten Meer wieder aufbauen und eine Straße mit Wegstationen und Wasserstellen nach Coptos anlegen und den Kanal wiedereröffnen, der den peluischen Arm des Nils mit dem Golf von Suez verband. Dadurch entstand ein dauerhafter Schaden für Tyrus, da der Reichtum nun einen anderen Weg gefunden hatte (siehe oben).“ (N. Jidejian/81f)

638 n. Chr.: Tyrus wird von den Moslems zurückerobert

Kreuzzüge: Tyrus ist wichtige Basis der Kreuzritter, die es aber 1291 (endgültig) wieder an die Moslems verlieren. Die Stadt öffnet ihre Tore ohne Widerstand. J. F. Michaud/125f schreibt: „Diese Städte (Tyrus u.a.), die Ptolemais nicht unterstützt hatten und sich durch einen Waffenstillstand geschützt glaubten, mussten ihr Volk niedergehauen, zerstreut, in die Sklaverei geführt sehen; ja, die Wut der Muselmänner erstreckte sich über die Steine, denn man wühlte sogar den Fußboden um, den die Christen betreten hatten. Ihre Häuser, ihre Tempel, die Denkmäler ihres Gewerbefleißes, ihrer Frömmigkeit und ihrer Tapferkeit, alles wurde verdammt, mit ihnen durch Eisen und Feuer unterzugehen.“ (Auss. V)

Der säkulare Historiker Philip Myers schreibt dazu: „Der größere Teil des Gebietes (der Insel) ist heute nackt wie die Oberfläche eines Felsens – ein Ort, an dem Fischer ihre Netze zum Trocknen ausbreiten.“ (Auss. III)

Plinius der Ältere sei hier noch treffend angeführt: „Tyrus vormals berühmt als Mutterstadt, von der die Städte Leptis, Utica und die große Rivalin des römischen Reiches um die Weltherrschaft, Karthago, und auch Cadiz, das sie außerhalb der Grenzen der Welt gründete, abstammten; aber der gesamte Ruhm von Tyrus besteht nur noch in einem Schellfisch und einem Purpur-Farbstoff.“ (Auss. VI)

Schließlich zitiere ich noch Jidejian/XVI,2, XVI, zitiert von Josh McDowell/S. 406, die sehr treffend beschreibt: „Die Steine von Tyrus sind bis nach Akko und Beirut zerstreut zu finden. Hinweise auf eine große Vergangenheit gibt es noch in Fülle, und unlängst haben Ausgrabungen verschiedene Schichten aus der Zeit dieses stolzen phönizischen Seehafens freigelegt. Die große alte Stadt Tyrus lag begraben unter einer dicken Schuttschicht. Die Ruinen des Aquädukts und ein paar verstreute Säulen sowie die Ruinen einer christlichen Basilika waren die einzigen Reste, die man noch über der Erde fand. Schaut man ins Wasser hinunter, kann man eine große Menge von Granitsäulen und Steinblöcken erkennen, die über den Meeresboden verstreut liegen.“

Somit kann man sicher sagen, dass die biblische Prophetie seit über 2500 Jahren wahr geblieben ist. Das antike Tyrus, das solch eine bedeutsame Stellung hatte, ist nie wieder aufgebaut worden. Es ist ein kahler Felsen, ein Ort zum Ausbreiten von Fischernetzen; die Fischer sind dort natürlich auch wohnend ansässig. Die großen Frischwasserquellen von Reselain befinden sich auf dem Gebiet der ehemaligen Festlandsstadt Tyrus. Diese Quellen sind noch vorhanden und fließen auch noch, allerdings ins Meer – etwa 45 Millionen Liter/Tag. Es ist immer noch zweifelsfrei ein ausgezeichnetes Gebiet und hätte genug Wasser für eine moderne Stadt, aber sie wurde nie wieder aufgebaut. (nach P. W. Stoner/S. 76f) (Auss. V)

„Wenn Hesekiel diese sieben Voraussagen (je nach Einteilung kann die Zahl kleiner oder größer ausfallen) in rein menschlicher Weisheit gemacht hätte, so wäre es nach unseren Schätzungen nur eine Chance von 1 zu 75 Millionen gewesen, dass alle eingetroffen wären. Aber alle bewahrheiteten sich bis ins einzelne.“ (P. W. Stoner)

Ein (persönliches) Fazit aus dieser relativ oberflächlichen aber doch imposanten Schilderung der prophetischen und historischen Begebenheiten muss jeder selbst ziehen. Menschlichen Ursprungs sind die Aussagen des Hesekiels in meinen Augen jedenfalls nicht, und dass es solch gewaltigen Zufall geben kann, kann ich nicht glauben. Zudem ist es eine biblisch-prophetische Aussage von nicht weniger als ein paar Tausend. Für mich ein deutlicher Beweis für die göttlich inspirierte, prophetische Offenbarung in der Bibel - dem Wort Gottes.

Urteile und forsche selbst! Eine Entscheidung für oder gegen den Gott der Bibel musst du selbst treffen, diese kann dir keiner abnehmen, wenngleich ich doch versucht habe, dir ein paar wenige Impressionen aus einem tieffreudigen Glauben an die Bibel, basierend auf einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, zu vermitteln.

Der wahre christliche Glaube stützt sich auf Tatsachen. Er ist ein vernünftiger Glaube. Glauben im christlichen Sinne geht über den Verstand hinaus, steht aber nicht im Gegensatz zum ihm. Glaube ist innere Gewissheit, die sich auf Tatsachen beruft (z.B. erfüllte Prophetie) - ein objektiver Glaube. (nach einem Zitat von Paul E. Little) 

Zitierte Werke