Friede auf Erden?

Am Abend des 24. Dezember 1914 reißt die Wolkendecke über Flanderns Schlachtfeldern auf. Der Himmel wird sternenklar, und der Vollmond hüllt die Kraterlandschaft zwischen den Schützengräben in ein mildes Licht. Plötzlich – die britischen Soldaten wollen ihren Augen nicht trauen – flackern auf den Brüstungen der gegenüberliegenden Gräben Lichter auf. Brennende Kerzen auf kleinen Tannenbäumen. Eine Kriegslist? Doch dann setzt Gesang ein. „Stille Nacht, Heilige Nacht“, tönt es aus den Schützengräben. „Well done, Fritzens“, rufen die verblüfften Zuhörer und verlangen eine Zugabe. Und von drüben schallt es zurück: „Merry Christmas, Englishmen“ – „We not shoot, you not shoot“.

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Zunächst vereinzelt, bald in immer größeren Gruppen steigen deutsche Soldaten aus ihren Gräben, und nach anfänglichem Zögern tun es ihnen die Briten gleich.

Man trifft sich im Niemandsland zwischen den Schützenlinien, tauscht Geschenke aus und vereinbart eine Waffenruhe für den nächsten Tag. Dieselben Männer, die noch wenige Tage zuvor nichts unversucht gelassen haben, sich gegenseitig umzubringen, stehen nun zusammen, tauschen kleine Geschenke aus, lachen und schwatzen.

„Wir fühlten uns dabei glücklich wie Kinder“, notiert ein sächsischer Offizier in sein Tagebuch.

Diese Geschichte klingt wie eine schöne Utopie, aber es hat sich tatsächlich so zugetragen. Für einen kurzen, magischen Moment schien sich die Weihnachtsbotschaft zu erfüllen: „Und Friede auf Erden in (den) Menschen des Wohlgefallens.“ Diesen Satz riefen die Engel Gottes aus, als den Hirten verkündet wurde, dass Jesus Christus geboren worden wäre. Sie finden die so genannte „Weihnachtsgeschichte“ im Lukas-Evangelium Kapitel 2, 14.

Friede auf Erden? Schön wär’s ja, aber es gab zu keiner Zeit Frieden auf der Erde, wie wir Menschen es uns vorstellen! Kriege haben schon vor Christi Geburt und auch danach das Weltgeschehen geprägt und bestimmt. Ganz zu schweigen von dem persönlichen Kleinkrieg, der sich im Alltag abspielt. In den Familien zwischen Ehepartnern, Eltern und Kindern, im Beruf zwischen den Chefs und ihren Angestellten, zwischen Nachbarn, Autofahrern, Lehrern und Schülern – diese Aufstellung ließe sich beliebig fortsetzen.

Was könnte also der Ausruf der Engel meinen? Es gibt eine zweifache Deutung. Jesus Christus wird derjenige sein, der einmal bleibenden Frieden auf die Erde bringen wird, wenn er das zweite Mal kommen wird. Damit haben wir uns an dieser Stelle in den Beiträgen zu Weihnachten 2004 beschäftigt.

Der andere Aspekt dieser Verkündigung ist, dass den Menschen des Wohlgefallens Gottes sein Friede zur Verfügung steht. Wer ist mit diesen Menschen gemeint?

Es sind die, die ihr Leben unter Gottes Führung gestellt haben. Die schonungslos bekennen, dass sie in Gottes Augen Sünder sind und seine Vergebung brauchen. Die seine Gabe, Jesus Christus selbst, für sich in Anspruch genommen haben. Die glauben, dass der Sohn Gottes ihre persönliche Schuld vor Gott am Kreuz gesühnt hat.

Als die Engel diesen Frieden auf Erden in den Menschen seines Wohlgefallens verkündigten, sprachen sie nicht von einem globalen Frieden, der durch die Geburt Christi stattfinden würde, sondern von dem ganz persönlichen, tiefen Frieden, den jeder Mensch mit Gott bekommen kann. Diese Weihnachtsbotschaft ist die Antwort Gottes auf alles Chaos, alle Konflikte, alle Schuld in ihrem Leben.

Er bietet ihnen den Frieden an, den sein Sohn gemacht hat, als er am Kreuz auf Golgatha sein eigenes Blut gegeben hat, als er die Strafe Gottes getragen hat, die Sie und mich hätte treffen müssen. Doch Jesus Christus hat mit seinem eigenen Leben bezahlt und ist nach 3 Tagen als Sieger über den Tod auferstanden.

Für die, die ihn nicht kennen, gibt es keinen Frieden. Für die aber, die ihn im Glauben als ihren Retter aufnehmen, hat er „Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes“ (Kolosser 1,20).

Wir wünschen Ihnen, dass Sie Gott und der Weihnachtsbotschaft ganz persönlich Glauben schenken. Jesus Christus ging von der Krippe bis hin zum Kreuz und gab dort sein Leben auch für Sie, damit Sie den Frieden Gottes genießen und von Herzen sagen können: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so HABEN WIR FRIEDEN MIT GOTT …“ (Römer 5,1)