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Wieviel Irrtum enthält die Bibel?

Veröffentlicht am 15.08.2007  •  Autor: CH  •  Kategorien: Glaube & Wissenschaft, Hintergründe

Warum man der Bibel vertrauen kann. Fokus: Erfüllte Prophetie und mathematische Wahrscheinlichkeit.

(Hinweis: Der Artikel ist der Versuch der Veranschaulichung einer gegebenen Annahme - Annahme: 3268 erfüllte biblische Vorhersagungen. Falls das Postulat zutrifft, kann man mit Sicherheit sagen, dass die Erfüllung nicht zufällig geschah. Eine Herleitung der Gültigkeit der mathematischen Statistik ersparen wir uns an dieser Stelle, da man dies in Lehrbüchern nachlesen kann. (siehe zu dieser Problematik auch die Kommentare zu diesem Artikel!))

Entstehung

Die Bibel ist ein besonderes Buch – geliebt und gehasst, gedruckt und vernichtet, verbreitet und verboten. Schon ihre Entstehung ist besonders – über eine Zeit von etwa 1500 Jahren von über 40 Schreibern geschrieben, die sich natürlich meist nicht kennen konnten. Ihre Überlieferung ist ein Phänomen: Es existieren von der Bibel mehr Handschriften als von zehn (willkürlich gewählten) klassischen Werken zusammen – ein solches gilt als gut belegt, wenn man fünf bis zehn Handschriften hat. Allein vom Neuen Testament existieren aber über 5.000 griechische Manuskripte. Kein Buch der Weltgeschichte kann in seiner Verbreitung (in Anzahl der Übersetzungen, Auflagen und Verkaufszahlen) annähernd mit der Bibel verglichen werden.

Authentizität

Eine weitere Einzigartigkeit dieses Buches: ihre Authentizität. Um diese wissenschaftlich zu verifizieren wählen wir hier als inhaltliches Teilgebiet ihre bereits nachprüfbar eingetroffenen prophetischen Aussagen. Forscher haben in der Bibel 3268 solcher Aussagen gezählt, die sich bereits erfüllt haben (in Bezug auf einzelne Völker, auf Israel, auf bestimmte Personen und auf das Kommen Jesu Christi).

Konkret wollen wir ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese zuvor aufgeschriebenen Sachverhalte später zufällig in dieser Weise passierten (bzw. per Zufall gerade das Richtige vorhergesagt wurde).

Annahme: (zufällige) Erfüllung von 3268 Aussagen mit der fairen Chance 50:50, d.h. pzufälliges Eintreffen = 50% (das ist schon hoch gegriffen, viele der Prophezeiungen erfüllen sich rein zufällig nur mit <1%)

laut mathematischer Statistik gilt für die Wahrscheinlichkeit p:

bei 1 Prophetie:pzufällig-erfüllt = 0,5 = 50%
bei 2 Prophetien:pzufällig-erfüllt = 0,52 = 0,25 = 25%
bei 3 Prophetien:pzufällig-erfüllt = 0,53 = 0,125 = 12,5%
... 
bei 3268 Prophetienpzufällig-erfüllt= 0,53268 = 1,7 x 10-984

1,7 x 10-984 = die Zahl, die ausdrückt, wie wahrscheinlich es ist, dass sich die schon erfüllten biblischen Prophetien zufällig erfüllt haben.

Vorstellung dieser Wahrscheinlichkeit

Wie kann man sich diese Zahl vorstellen? Null-Komma-983Nullen-17...

Die mathematische Statistik kennt sog. Urnenmodelle: aus einer Box (Urne) wird etwas gezogen, z.B. eine Kugel: Mit welcher Wahrscheinlichkeit ziehe ich eine rote Kugel aus x andersfarbigen? Für unseren Vergleich ziehen wir nun aus einer Menge Ameisen (um einen möglichst kleinen vorstellbaren Gegenstand zu wählen), und zwar suchen wir die einzige rote Ameise inmitten sonst nur schwarzer Ameisen.

Zum Einstieg: Topf mit 4 schwarzen und 1 roter Ameise: p= 1/5 = 20% für Ziehen der roten. Bei 9 Schwarzen und 1 Roten: n=10 => p= 1/10 = 10%, usw.

In ein 0,2l-Wasserglas passen etwa 20.000 „Norm-Ameisen“ (Volumen einer Ameise = 10mm3).

In eine Badewanne passen ca. 36 Mio. dieser Ameisen (die Wahrscheinlichkeit des Ziehens der einzigen roten aus der sonst nur mit schwarzen Ameisen vollen Badewanne ist annähernd gleich derjenigen, dass sich 25 prophetische Aussagen zufällig erfüllen, denn 0,5-25 = 33,6 Mio.).

Würden wir die ganze Bundesrepublik (ca. 357.000 km2) mit einer 5m dicken Ameisen-Schicht bedecken: p liegt dann bei 5,6 x 10-21 als W., die eine rote Ameise zu erwischen – entspricht aber erst 67 zufällig erfüllten prophetischen Aussagen.

[allerdings: eine W. kleiner 10-20 gilt in der Physik „schon“ als unmögliches Ereignis – d.h. selbst wenn man, weil 10-20 ungefähr gleich 0,566, nur 66 wahre, d.h. schon erfüllte Aussagen in der Bibel findet, wäre es in wissenschaftlichem Sinn unmöglich, dass dies zufällig sein kann; in unserem Bild entspräche das der 5m-bedeckten Fläche von Italien]

Breiten wir um die gesamte Erde (incl. Ozeane 510,07 x 106 km2) eine Ameisen-Schicht von 10m Dicke aus und stürzen uns in die Ameisen-Menge: Die W., die einzige rote darin zu treffen liegt bei 10-24, übertragen auf die Prophetie entspricht das 79 zufällig wahren Aussagen.

Nicht mehr vorstellbar, aber theoretisch berechenbar: das komplette Universum voller Norm-Ameisen (Durchmesser Universum etwa 30 Milliarden Lichtjahre, 1 Lj = 9,461 x 1015 m; wobei Volumen=4/3πr3 mit r3 = [9x1015 x 15x109]3 ): es passen VUniversum / VAmeise = 1,2 x 1087 Ameisen hinein. Das reicht jedoch noch lange nicht für einen zahlenmäßig passenden Vergleich zur erfüllten Prophetie...

Nehmen wir theoretisch so viele Ameisen-gefüllte Universen, wie Ameisen in ein Universum passen (s.o.) – wir erhalten die Anzahl von (1,2x1087)2 = 1,4 x 10174 Ameisen, das gibt eine eins mit 174 Nullen, aus der wir gerade die eine rote ziehen, oder anders gesagt: gleich wahrscheinlich ist, dass sich 578 prophetische Aussagen rein zufällig erfüllt haben (0,5-578 ist ungefähr gleich 10174).

Um zum Ende zu kommen: wir benötigen die astronomische Zahl von 10897 Universen (Volumen eines Universums s.o.) voller schwarzer Ameisen, also 10897 x 1,2x1087 Ameisen, eine Eins mit 984 Nullen (s.o.), darunter insgesamt nur eine rote in irgendeinem der Universen. Die W., gerade diese aus der Gesamtheit zu ziehen, ist gleich derjenigen, dass sich 3268 biblische Aussagen zufällig, d.h. mit pzufälliges Eintreffen = 0,5 erfüllten!

Fazit

Daraus folgt: Die Bibel ist wahr, und zwar komplett! Es kann in wissenschaftlichem Sinn nicht sein, dass sich ihre prophetischen Aussagen zufällig erfüllten. Also kommt als eigentlicher Autor nur jemand in Frage, der dem Zufall überlegen sein muss: Gott.

Was bedeutet das für mich?

Erstens, ich muss die Hauptbotschaft dieses Bibel-Buches annehmen – denn es muss wahr und damit für mich verbindlich sein: Ich bin als Mensch, so wie ich bin, verloren (siehe Römer 3,23). Wir alle haben schon Dinge getan, gedacht, gesagt, die Gott missfielen – er nennt das in seinem Buch „Sünde“. Jedoch können wir keine einzige Sünde in den Himmel mitnehmen, d.h. wir sind vom Himmel ausgeschlossen – verloren! Aber: Gott will nicht, dass sein Himmel leer bleibt. Deswegen erfand er eine einzigartige Rettungsmöglichkeit: Sein eigener Sohn sollte Mensch werden und bezahlen, was andere gegen ihn, Gott, getan hatten. Sein Sohn, Jesus, ließ dafür sein Leben – damit andere den Himmel sehen würden! Wer daran glaubt (denn das Angebot gilt ausdrücklich allen), wird gerettet werden.

Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, hat ewiges Leben.“ (Johannes 6,47)

„Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ (Johannes 3,16)

Zweitens, genauso sicher wie alles bisher Erfüllte werden sich die ausstehenden Prophetien erfüllen. Besonders weitreichend sind folgende: es gibt ewige Strafe für Ungerechte, ewiges Leben für Gerechte. Gott kennt nur diese beiden Gruppen, und entscheidend ist hier allein, ob ich Jesus' Angebot annehme (wenn ja, stehe ich nämlich gerecht vor Gott) – andernfalls muss ich selbst für meine Fehler vor Gott geradestehen. Ewig bedeutet nicht zehn oder 20 Jahre, sondern unendlich, nicht mehr in Zahlen ausdrückbar! Noch lädt Gott zum Himmel ein, weil er die Menschen liebt, damit wir nicht am Ende vor dem Tor der Hölle stehen – noch ist er in liebender Absicht der Retter, bevor man ihm sonst eines Tages als Richter begegnen muss. Es steht sehr viel auf dem Spiel. Wer nicht will, muss wissen: es gibt dann keine Möglichkeit mehr, man hat sich selbst die Zukunft bei Gott geraubt.

„Der Herr will nicht, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle umkehren. Es wird aber der Tag des Herrn kommen...“ (2. Petrusbrief 3,9f.)

„Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.“ (1. Johannesbrief 5,12)

Quelle und Copyright: dasleben.info

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7 Kommentare
  • von CH
    08.11.2007 - 17:24

    Guten Tag, Alexander!

    Danke für Ihre Ausführungen. Uns freut es sehr (trotz einiger inhaltlicher Differenzen), dass jemand sich die Zeit nimmt, ernsthaft über Themen bzgl. Gott nachzudenken. Die Diskussion auf fachlicher (und nicht emotionaler) Ebene zeugt auch von gegenseitigem Respekt.

    Der angesprochene Themenkomplex „Glauben und Wissen“ ist derart nichttrivial, dass man unmöglich alles zur Erörterung Notwendige einfließen lassen kann. Deshalb habe ich mich auf sehr wenige allgemeine Aussagen beschränkt. Ich möchte auch nicht weiter ausholen, alles von Ihnen Angesprochene zu kommentieren. Ihre Ausführungen bestätigen im Eigentlichen nur, dass wir nichts (und damit auch Gott) nicht beweisen können. An der Tatsache, dass wir sowieso irgendwas annehmen (=glauben) müssen, ändert das immer noch nichts. Es ist dabei unerheblich, welcherart Wissenschaft wir betreiben – ob es Axiome sind oder axiomatische Weltanschauungen, denn beide können empirisch ggf. als richtig angenommen werden (wenn ich unbeweisbaren Axiomen vertraue, ist das Glaube). Wie gesagt, ging es in keinster Weise um einen Beweis für Gott. Wie Sie richtig schreiben, steht seine Existenz aber nicht im Gegensatz zur Denkweise moderner Menschen. Wenn es ihn (nach logischen Modellen) geben kann (und das ist möglich, bisweilen plausibel), gibt es dann weitere Gründe, die es sinnvoll erscheinen lassen, einen solchen über sich anzuerkennen? Das dann folgende Argument haben Sie selber geliefert: Christen erkennen die „moralische Autorität“ seines Wortes, was uns wieder zum Thema „Glaubwürdigkeit der Bibel“ führt – es sprechen eine Menge weiterer Indizien dafür, dass wir es wirklich mit einer höheren Intelligenz zu tun haben, dass ein Gott nichts einfach Ausgedachtes ist, dass er real erfahrbar ist. Schließlich glauben wir den Dingen, die uns in ihrer Gesamtheit so überzeugen, dass wir alle Ansätze ausschließlich menschlicher Denkmodelle für unbefriedigend halten – sie können uns nicht mehr bieten und sie liefern bestenfalls das, was wir auch problemlos auf eine Erklärung mit systemimmanentem Gott übertragen könnten. (Insofern ist „christliche Wissenschaft“ durchaus nicht ein Pseudo-Zurückziehen vom Glauben, denn Gott hat uns Denkvermögen, ratio, gegeben.)

    Beispielhaft ein Gedanke zu unserer Logik und Gott (was Sie auch anführten): Sei Gott allmächtig => Gott kann Nichts nicht. Wir sehen, wie begrenzt unsere Logik ist, denn diese Aussage ist logisch nicht erfüllbar – es ginge nicht, dass Gott irgendetwas nicht könne, er kann aber nicht alles, wenn das nicht geht. Das Problem ist also nicht Gott, sondern unsere Logik. Und damit sind wir wieder am Anfang: Höhere Intelligenz ist uns nicht erklärbar, da wir lediglich begrenzt denken können. Sie aber definitiv auszuschließen und nur mit unserer Intelligenz zu denken, diese auf unsere Welt oder gar ihren Ursprung zu übertragen, bedeutet eine Einschränkung, deren Tragweite wir eigentlich nicht verantworten können.

    Es ist in der Tat so, dass keiner Gott finden wird, der ihn sich in eigener Logik zu erschließen sucht – das geht aufgrund unserer Begrenztheit per definition nicht. Aber: genauso wenig führt uns weltliche Philosophie weiter, da sie zwar wunderbar argumentieren, letztlich doch das Entscheidende nicht folgern kann: woher komme ich, wohin gehe ich, was für einen Sinn hat mein Leben überhaupt? Wer echte Antworten darauf finden will, kommt nicht an dem Kalkül eines möglichen Gottes vorbei – und ist dann doch erstaunt wie zufrieden, dass seine bisherige Logik tatsächlich dem gar nicht im Wege stehen muss. Dem, der nicht glaubt, soll nur gezeigt werden, dass Glaube und Gott nicht diametral gegenüberstehen, sondern eine Synthese soweit möglich ist, wie wir nicht von vornherein beschränkend argumentieren. Und insofern hoffen wir, dass (während andere vielleicht eher durch Geschichten zum Nachdenken kommen) vielleicht auch etwas theoretischere Überlegungen einigen Leuten weiterhelfen.

    Herzliche Grüße,
    Ihr CH

  • von Alexander
    06.11.2007 - 11:05

    [Fortsetzung]

    Was am Ende von all Ihren Einwänden und vermeintlichen Vernunftgründen übrig bleibt, ist das 'ignoramus et ignorabimus': Wir können und werden nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht existiert.
    Mit dieser Erkenntnis jedoch lässt sich keine Rechtfertigung irgendeiner Religion leisten, denn allein deshalb an Gottes Existenz zu glauben, weil wir nicht wissen, ob er nicht existiert, zeugt weder von Vernunft noch von Wahrhaftigkeit.

    All dies hat jedoch nicht zur Folge, dass kein vernünftiger Mensch jemals an den christlichen Gott glauben könnte. Entgegen der populären Krawallmacherei von Richard Dawkins und Konsorten ist die Religiosität dem vernünftigen Menschen keineswegs unmöglich; Voraussetzung dafür ist eine methodische Trennung von Wissensfindung und Lebensführung:
    Wer nach Naturerkenntnis sucht, geht bisweilen anders vor, denn wer nach Liebe, Trost und Hoffnung sucht.
    Auch die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass viele Physiker, Biologen und andere Naturforscher, sowie Philosophen an Gott glaubten und glauben. Was die meisten dieser Menschen aber von Ihnen und anderen Vertretern einer "Rationalität der Religion"(wie zB Kardinal Ratzinger und Professor Küng) unterscheidet, ist die Auffassung, dass Gott weder Gegenstand noch Voraussetzung der wissenschaftlicher Erkenntnis ist.

    Abschließend möchte ich noch erläutern, warum es mich Wunder nimmt, dass Sie den christlichen Glauben überhaupt mit Vernunftgründen zu verbreiten suchen.

    Angesichts des moralischen Reichtums der Heiligen Schrift, wie wir ihn zB in der Bergpredigt finden, scheint mir der unwürdige Rückzug (denn nichts anderes sind die vergeblichen Versuche, Religion empirisch oder formal zu begründen) auf [pseudo]wissenschaftliches Terrain völlig abwegig.
    Sind es nicht die christlichen Gebote von Gewaltverzicht, Nächstenliebe und Vergebung; die Verheißung eines ewigen, friedvollen Lebens bei Gott; oder auch schlicht die Gleichnisse der Evangelien mit ihrer moralischen Kraft, vermittels derer Menschen sich bereitwillig dem Glauben zuwenden?
    Schon bei Anselm von Canterbury findet sich - im Anschluss an seinen Ontologischen Gottesbeweis - die bezeichnende Formel:
    "Dank Dir, gütiger Herr, dank Dir, dass ich das, was ich früher aufgrund Deiner Gabe glaubte, nun aufgrund Deiner Erleuchtung derart verstehe, dass ich, wollte ich es nicht glauben, dass Du existierst, nicht umhinkönnte, es zu verstehen."
    Angesichts der (wen wundert's?) Fehlerhaftigkeit des Beweises zeigt sich, dass dieser - für Anselm wie für jeden Christen - gänzlich überflüssig ist. Denn Gottes Gabe hat bereits zum Glauben geführt und der Gläubige bedarf keiner weiteren Bestätigung. Wer sich hingegen von Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift zunächst nicht beeindruckt zeigt, mag später dennoch zum Glauben finden.
    Falsche Beweise, vermeintliche Vernunftgründe und Analogieschlüsse jedoch, als 'Erleuchtung' missverstanden, werden niemanden für Gott gewinnen.

    Und so schreiben Sie selbst schon zu Beginn Ihrer Antwort:
    "Christen glauben der Bibel und Gott, und das nicht, weil man sie beweisen müsste oder gar Gott beweisen könnte."

    So ist es.

    Mit freundlichem Gruß,

    Alexander

  • von Alexander
    06.11.2007 - 11:03

    Sehr geehrter CH!

    Der argumentative Kern Ihrer Bemerkungen zu "Glauben und Wissenschaft im Allgemeinen" stößt bei mir - trotz allem wohlwollenden Verständnis - auf Ablehnung.

    Während Sie zwar von empirischen Gottesnachweisen (wie dem argument from design) Abstand halten, kündigt sich in Ihrer Antwort ein weiterer Versuch an, den (christlichen) Glauben rational zu rechtfertigen. Zu diesem Zweck beginnen Sie mit der üblichen erkenntnistheoretischen Skepsis gegenüber menschlichem Wissen (oder Denken), sowie der Naturwissenschaft.

    Sie schreiben:
    "[Wir sind] in unserem Denken per se eingeschränkt" und "wir können ausschließlich Aussagen beweisen, für die wir Annahmen treffen mussten, die wir letztlich nicht beweisen können."
    Obzwar unklar bleibt, inwiefern unser Denken dadurch eingeschränkt wird, gestehe ich bereitwillig zu, dass zumindest unsere Erkenntnis und somit unser Wissen begrenzt und fehlbar ist.

    Sie selbst führen das Argument nicht über die Mangelhaftigkeit unserer Wahrnehmung und Erfahrung, sondern versuchen eine formale (und dahingehend am 'Denken' ansetzende) Erkenntniskritik:
    "Nicht nur in der Naturwissenschaft bedient man sich der Axiome – die [...] nie per Beweis verifiziert werden können."
    Dies trifft auf die Exakte Naturwissenschaft natürlich zu, da sie sich der mathematischen Sprache bedient. In meinem Sinne könnte man zusätzlich zB auf die Fehlbarkeit und Unvollständigkeit unserer Beobachtungs- oder Erfahrungsgrundlage abheben, um die Skepsis gegenüber der Naturwissenschaft zu begründen.

    Im Folgenden versteigen Sie sich allerdings zu einer verwirrenden Darstellung der formalen Schwierigkeiten jener Wissenschaft.
    "Paradoxerweise kann man sogar einen "Beweis" antreten, der die Unvollständigeit unseres Wissens "beweist" (ich verweise auf die Gödelschen Unvollständigkeitssätze, [...] zeigen, dass es kein Aussagensystem gibt, das [...] widerspruchsfrei und vollständig ist)."

    Dieses Argument scheint mir Ihr ursprüngliches Ziel (dh die rationale Rechtfertigung des Glaubens) ebenso zu verfehlen wie Ihre vorausgeschickte Erkenntniskritik. Abgesehen davon ist es fehlerhaft.
    Davon ausgehend, dass Sie mit den Folgen der gödelschen Beweise über formal unentscheidbare Sätze vertraut sind, wundert es mich, wie Sie deren Aussagen für eine Kritik der Naturwissenschaft fruchtbar machen zu können glauben.
    Erstens gibt es vollständige Kalküle, nämlich solche der Prädikatenlogik I. Es war Gödel, dessen Vollständigkeitssatz (1928/1929) die Allgemeingültigkeit aller aus einem beliebigen [PL]Kalkül abgeleiteten Sätze bewies.
    Nun ist die Prädikatenlogik I im Stande, jede Repräsentation von Wissen (hier: wissenschaftlicher Sätze) zu leisten, so dass ein daraus entstehendes Begriffssystem (zB die klassische Mechanik oder das Standardmodell) formal - jedoch nicht unbedingt empirisch - vollständig und widerspruchsfrei ist.
    Zweitens folgt aus der (formalen) Unvollständigkeit der Mathematik keineswegs die prinzipielle Unmöglichkeit eines (empirisch) vollständigen Begriffssystems, welches (zB in Form einer hypothetischen 'grand unified theory') alle natürlichen Phänomene hinreichend abbildet. Denn wir wissen nicht, wie eine solche 'gut' aussähe, wenn sie denn einmal aufgestellt würde -- wir wissen nicht einmal, ob es überhaupt möglich ist, sie aufzustellen.

    Wenigstens insofern trifft nun Ihre Skepsis gegenüber unserer (wissenschaftlichen) Erkenntnis allerdings zu: Ob wir eine lückenlose Naturbeschreibung oder -erklärung finden können, lässt sich gegenwärtig nicht entscheiden. Trivialerweise ist unser Wissen sowohl über formale als auch über empirische Zusammenhänge unvollständig.

    Ihre folgenden Ausführungen legen nun (der Argumentation DesCartes' nicht unähnlich) die Absicht hinter dieser Skepsis frei:
    "Deshalb müssen wir Menschen sowieso etwas glauben – das ist "echte" Wissenschaft. Es ist nach allen theoretischen Modellen dieser Art plausibel, dass ein Gott existiert, auch wenn ihn keiner beweisen kann."

    Sie wollen aus der Unvollständigkeit menschlichen Wissen also eine Rechtfertigung des Glaubens anhand geeigneter Gründe leisten:
    «Wir können es nicht sicher wissen - aber wir haben gute Gründe, es zu glauben.»
    Dafür stellen Sie eine vernünftige Erörterung an (denn es ist Ihnen ernst mit Logik und Naturwissenschaft) und behaupten eine begriffliche Vereinbarkeit von Gottesbegriff und Wissenschaft - Voraussetzung für jede 'Plausibilität'.

    Wenn Sie aber Gottes Existenz (dh den Theismus) derart als 'Hypothese' verstehen und also Gründe zwecks ihrer Rechtfertigung anführen, ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten.
    Denn erstens widersprechen bestimmte Gott unterstellte Eigenschaften den (gegenwärtigen) wissenschaftlichen Theorien sowohl formal als auch empirisch und zweitens werfen bestimmte Gott zugeschriebene Prädikate begriffliche Widersprüche auf. So stellt eine logische Untersuchung des Prädikats "ist allmächtig" dieses als Antinomie heraus. Drittens stellt die Theodizee (deren 'Lösung' auf Ihrer Internetseite ich iÜ für äußerst unbefriedigend halte) unsere Vorstellung von Gott grundsätzlich in Frage.
    Der erste Einwand wiegt in Anbetracht der bereits nachgewiesenen Fehlbarkeit und Unvollständigkeit unseres Wissens natürlich nicht so stark wie der zweite und dritte -- welche ich beiderseits für unüberwindbar halte.

    Im Folgenden erläutern Sie die verschiedenen (vermeintlichen) Vernunftgründe, weshalb die Annahme Gottes in Anbetracht ihrer (angeblichen) Vereinbarkeit mit den wissenschaftlichen Theorien gerechtfertigt sei.
    Nämlich "weil die Bibel [...] sich auch mit moderner Wissenschaft deckt", das in ihr enthaltene Wissen "nur von Gott kommen kann", die "einzige [...] Alternative" - nämlich menschliches Wissen - "sich aber im Laufe der Zeit immer wieder geändert hat", Gott dagegen sich nicht verändert usf.

    Unabhängig von der nach wie vor fragwürdigen Behauptung, "3268" Prophezeiungen der Heiligen Schrift seien in Erfüllung gegangen (ich zweifle hier nicht bloß an der 'Erfüllung', sondern auch an den 'Prophezeiungen' - wie zB erklären Sie die Propheties von Nostradamus?...), hat sich gezeigt, dass Ihre Vereinbarkeitsannahme in Betreff der Konzepte 'Gott' und 'wissenschaftliche Erkenntnis' innerhalb eines Begriffsystems unhaltbar ist. Gottes Existenz kann nicht Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung sein und stellt daher keine 'plausible' Hypothese dar.

    [Fortsetzung oben]

  • von David
    05.11.2007 - 22:17

    Lieber CH!

    Zunächst einmal finde ich es etwas bemerkenswert, dass sie im 4. Absatz ihrer Antwort (vorletzter Beitrag), den Sie an mich wandten, mich berichtigten, dass Argument der "Schwammigkeit" ziehe nicht - wo ich dieses Wort doch garnicht erwähnt habe. Dass sie es jedoch von selbst voraussahen, stimmt mich amüsiert und erweckt in mir den Eindruck, dass Ihnen selbst bei Ihrer Argumentation nicht ganz wohl sein kann.

    Zu Ihrer dankenswert langen Antwort möchte ich nur den 3. Absatz (letzter Beitrag) kommentieren:

    Ich gebe ihnen recht in der Bemerkung, dass wir Menschen uns letztendlich auf grundsätzliche Aussagen - Axiome oder Dogmen - berufen müssen, ohne diese beweisen zu können. Dabei gibt es aber eindeutige Unterschiede in der persönlichen Wahl der Axiome - einige glauben an die "wissenschaftliche Methode zur Gewinnung von Erkenntnis", andere an den lieben Gott und wieder andere an das fliegende Spaghettimonster. In meinen Augen ist die erste dieser Möglichkeiten die plausibelste und zweckdienlichste Alternative.

    Außerdem habe ich über die Existenz eines Wesens, welches man "Gott" nennen könnte, nicht das geringste gesagt - wie denn auch? Es gibt ja keine Anhaltspunkte für Annahmen für oder wider die Existenz eines solchen Wesens. Was ich im wesentlichen kritisieren wollte ist der absurde Aufbau, der sich auf die mögliche Existenz eines solchen Gottes vollkommen ohne Grundlage aufbaut und den wir "Religion" nennen...

    Ich möchte Ihnen aber nichtsdestoweniger danken, dass die letzten kritischen Beiträge in ihrem Gästebuch tolerieren und sogar auf diese Eingehen - das hätte ich nicht gedacht.

    David

  • von CH
    05.11.2007 - 20:28

    @ David am 03.11.2007 13:57

    Herzlichen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, hier vorbei zu schauen. Gerne schreibe ich ein paar Zeilen zu Ihrem Einwand.

    Erstens müssen wir uns im Klaren sein, dass das Phänomen "erfüllte Prophetien" nur einen Teil der Argumente für die Zuverlässigkeit der Bibel darstellt. Allein z.B. ihre Entstehung, Verbreitung, ihre Lebenskonzepte, ihre naturwissenschaftlich (schon vor mehreren tausend Jahren) wahren Aussagen und letztlich das Funktionieren der Schöpfung im Allgemeinen sind für sich genommen Grund genug, der Bibel zu vertrauen.

    Zweitens: Prophetie, d.h. (schriftlich fixierte) gedankliche Vorwegnahme zukünftigen realen(!) Geschehens, ist ein Alleinstellungsmerkmal der Bibel – gibt es sonst überhaupt nicht in der Literatur. Das heißt, schon eine Erfüllung wäre zumindest etwas Besonderes.

    Drittens wurde im Artikel "erfüllte Prophetien" nur der Versuch der Veranschaulichung einer gegebenen Annahme unternommen – Annahme: 3268 erfüllte Vorhersagungen (dazu gleich mehr). Falls das Postulat zutrifft, kann man mit Sicherheit sagen, dass die Erfüllung nicht zufällig geschah. (Eine Herleitung der Gültigkeit der mathematischen Statistik erspare ich mir, das kann man in Lehrbüchern nachlesen.) Das Argument, viele Aussagen seien "schwammig" formuliert und damit leicht allgemein erfüllbar, zieht deswegen größtenteils nicht, da die Prophetien bemerkenswert detailliert sind (oft scheinen die Aussagen so gar nicht erfüllbar) – und sich dann genauso bewahrheiteten.

    Viertens: Im Artikel habe ich deshalb die Zahl (unbewiesen) übernommen, da gerade der davor erschienene Artikel ("Tyrus-Trick" ) das Thema "historische Erfüllung" aufgreift. Dort werden (mindestens) fünf Erfüllungen dieser Art ausführlich erläutert. Da der Artikel "erfüllte Prophetien" eine andere Intention hat (damit er noch Artikel und nicht Buch ist), nämlich die statistische Validierung und Veranschaulichung einer (anderswo getätigten) Annahme, fehlt dort die Verifizierung der Annahme, die Forscher herausfanden – eine durchaus wissenschaftliche Vorgehensweise, da letztlich jede Aussage auf Annahmen beruhen muss, die ihrerseits nicht Gegenstand der Untersuchung sein sollen (wiewohl die Annahmen damit natürlich nicht unwichtig, mitunter sogar existenziell sind – sie sind aber gesonderter Untersuchung wert).

    Doch nun zu den Erfüllungen: Außer den angeführten (vorhergesagten eingetretenen) Tyrus-Fällen gibt es eine Menge weiterer Vorhersagen bezogen auf das Volk Israel: Z.B. dessen Zerstreuung in alle Welt lt. 5Mo28 (das braucht sicher nicht bewiesen zu werden; Juden trifft man weltweit in jeder größeren Institution) sowie dessen Rückkehr nach Israel aus dem Norden lt. Jer16 (seit 1989 sind über 400.000 Juden aus Ex-Sowjetgebieten in ihr Land zurück gekehrt) sind historische Tatsachen, die vor Jahrtausenden aufgeschrieben wurden! Das bekannte Goldene Tor in Jerusalem – damals ein Haupteingang der Stadt – soll lt. Hes44 verschlossen sein; interessant, dass gerade ein Muslim es zumauerte, um das Wiederkommen Christi zu verhindern. Weniger von allgemeinem Interesse sind viele Prophezeiungen, die sich auf Details einzelner Völker beziehen, z.B. deren Untergang, Invasionen etc. Jedoch kann man auch diese historisch belegen und zeigen, dass sie nach den Vorhersagen passiert sein müssen. Sehr aufschlussreich: Der Name des Israel-Königs Josia Israels wird fast 300 Jahre vorher angekündigt in 1Kö 13. Ebenso erwähnt Jes44 den Namen des Weltherrschers Cyrus ein Jahrhundert vor seiner Zeit. Bedeutungsreich sind jene Prophetien im AT, die sich auf Jesus Christus beziehen. So kann man nach Daniel9 das Geburtsjahr Jesu berechnen – Daniel lebte im sechsten Jahrhundert vor Christus! Seine ungewöhnliche Geburt durch eine Jungfrau wird acht Jahrhunderte vorher vorausgesagt (Jes7), Micha5 nennt etwa zur gleichen Zeit den Geburtsort, das völlig unbedeutende Bethlehem. Physiologisch bemerkenswert detailliert beschreibt David (um 1000 v.Chr.) in Psalm22 einen durch Kreuzigung Sterbenden (Tod, den Jesus starb) – obwohl diese Todesstrafe erst von den Römern in Israel eingeführt wurde, also viele Jahrhunderte später. Zufall oder "erfüllte Prophetie"? Es gibt zahlreiche weitere unschwer zu zeigende Prophezeiungen (auch im NT), die schon erfüllt sind. Laut Rechnung (siehe Artikel) würden uns ja schon 66 eingetroffene Aussagen genügen, um deren zufälliges Eintreffen wissenschaftlich-physikalisch gesehen mit Sicherheit ausschließen zu können (Wahrscheinlichkeit kleiner 10 ^-20) – wobei einige Prophetien so unwahrscheinlich sind, dass man nicht mehr von fairen Bedingungen (50:50) ausgehen kann, also in praxi p,zufällig<<0,5 ist und damit weit weniger wahre Aussagen genügen würden. Es geht für den statistischen Beweis auch nicht darum, ob es nun 66 oder 578 oder 3268 wahre Aussagen sind – das dient dann nur noch der „Vorstellung“ für jene, die sich unter den astronomischen Zahlen nichts "so direkt" vorstellen können... und doch zeigen die Zahlen, je größer sie werden, die exponentielle Abnahme der Wahrscheinlichkeit für "biblischen Zufall".

    Abschließend noch eine Bemerkung zu Glauben und Wissenschaft im Allgemeinen:

    Wir Christen glauben der Bibel und Gott, und das nicht, weil man sie beweisen müsste oder gar Gott beweisen könnte. Es geht vielmehr darum, dass wir in unserem Denken per se eingeschränkt sind – wir können ausschließlich Aussagen beweisen, für die wir Annahmen treffen mussten, die wir letztlich nicht beweisen können. Nicht nur in der Naturwissenschaft bedient man sich der Axiome – die immer wieder als gültig bestätigt werden, jedoch nie per Beweis verifiziert werden können (man kann sie praktisch validieren, aber nie in ihrer Theorie verifizieren). Paradoxerweise kann man sogar einen "Beweis" antreten, der die Unvollständigeit unseres Wissens "beweist" (ich verweise auf die Gödelschen Unvollständigkeitssätze, die über logische und mathematische Paradoxien zeigen, dass es kein Aussagensystem gibt, das in sich beweisbar, also widerspruchsfrei und vollständig ist). Deshalb müssen wir Menschen sowieso etwas glauben – das ist "echte" Wissenschaft. Es ist nach allen theoretischen Modellen dieser Art plausibel, dass ein Gott existiert, auch wenn ihn keiner beweisen kann. Weil die Bibel ein übernatürliches, zufallsfreies Buch sein muss, glaube ich ihr und damit Gott – dem einzigartigen Buch, das sich auch mit moderner Wissenschaft deckt, das – wahrscheinlichkeitstheoretisch betrachtet – nur von Gott kommen kann. Die einzige andere Alternative wäre Weisheit von Menschen, die sich aber im Laufe der Zeit immer wieder geändert hat – sobald irgendetwas wieder als unhaltbar erkannt wurde. Offensichtlich ändert Gott sich nicht (sonst müsste man unweigerlich auf Fehler in der Bibel stoßen) – er hat vor 2000 Jahren seinen Sohn Jesus geschickt, damit wir auch heute noch "Leben" haben können. Das gilt noch immer. Fazit: Glauben müssen alle – aber wer ihm glaubt, hat das Leben!

    Du musst kein Held des Glaubens sein.
    Gib Gott ein Stück von dem Vertraun,
    das du den ganzen Tag verschenkst.
    Lass dich auf seine Worte ein:
    Er lohnt dir dein Vertrauen
    mehr, als du jetzt denkst.
    (M. Siebald)

    Herzliche Grüße, Ihr CH

    Buchempfehlungen zum Thema Wissenschaft und Glaube:
    Wilder-Smith: Wer denkt muss glauben. Bielefeld 1997
    Kessler, Solymosi: Ohne Glauben kein Wissen. Berneck 1995

  • von Alexander
    03.11.2007 - 23:01

    Sehr geehrte Inhaber und Verfasser von www.werjesushathatdasleben.de!

    Während mein Vorredner Ihre undurchsichtige und unbegründete 'Beweisführung' zum Wahrheitsgehalt der Heiligen Schrift bereits treffend kritisiert hat, möchte ich ein anderes Ihrer Argumente genauer unter die Lupe nehmen.

    In Ihrer FAQ schreiben Sie:
    "Im Evolutionssystem braucht man jedoch einen Mechanismus, der von Generation zu Generation selbsttätig eine Verbesserung bringt."
    Schon hier unterstellen Sie mittels der 'Selbsttätigkeit' (vielleicht unbewusst) das Vorhandensein einer Handlung und somit einer Absicht innerhalb des Naturablaufes. Wahrscheinlich gehen sie derart vor, um ihre folgende Anführung des 'argument from design', wie es von Platon, Thomas Aquinas und aus der Natürlichen Theologie des 18. Jahrhunderts bekannt ist, vorzubereiten.
    Tatsächlich benötigt die Evolutionsbiologie (auf physikalischer Ebene) weder Absichten noch Handlungen; und die Natur enthält somit auch keinerlei Selbst-Tätigkeit.
    Natürliche Vorgänge anhand derartiger Begriffe als irgendwie bewusst oder beabsichtigt verschleiernd zu umschreiben, ist bestenfalls rhetorische Unachtsamkeit, schlimmstenfalls intellektuelle Unredlichkeit.

    Sie fahren fort:
    "Nach evolutionistischer Vorstellung sollen Mutation und Selektion die Antriebsräder der Höherentwicklung sein."
    (Es sei angemerkt, dass 'Höherentwicklung' wohl kaum ein evolutionsbiologisches Konzept ist, sondern vielmehr von unausgegorenen Gesellschaftsphilosophien vorgebracht wurde. For the sake of argument kann Ihre Darstellung jedoch wohlwollend als ungeschickte Umschreibung des 'survival of the fittest' dh des 'Überlebens der Bestangepassten' gedeutet werden...)

    "[Die Antriebsräder der Höherentwicklung] sind aber weder planmäßig noch zielstrebig."
    Dies wiederum entspricht durchaus dem theoretischen Konzept, welches Sie jedoch wie folgt zusammenfassen:

    "Es herrscht vielmehr ein anderes Gesetz in der Materie: das Gesetz der Trägheit, der Passivität, der Energieentwertung und der Tendenz zur Nivellierung."
    Eine Ausdrucksweise, die mehr als krude erscheint und sprachlich an dunkle Naturphilosophie des 19. Jahrhunderts erinnert.
    Da Ihnen die (hypothetischen) Mutations- und Selektionsvorgänge (der modernen Evolutionsbiologie) jedoch irgendwie vertraut sein werden (immerhin äußern Sie quasi-wissenschaftliche Kritik daran), mag dieser Abschnitt als lediglich überflüssig übergangen werden.

    Es folgt - wenig überraschend - das argument from design mit der überkommenen Behauptung:
    "Leben aber ist immer – bis in den Feinbau der Makromoleküle – mit Planmäßigkeit verbunden."
    Bereits hier verwechseln Sie - wie alle Vertreter der Natürlichen Theologie - Planmäßigkeit mit Regelmäßigkeit oder besser: Regelhaftigkeit.

    Ihrem Argument (dh dem argument from design, welches sich erstmals in Platons Dialog Timaios findet) liegt ein Analogieschluss zu Grunde: Von der Beobachtung, dass bestimmte - von Menschen geschaffene - Dinge regelhaft sind, weil sie auf einen Plan zurückgehen, schließen Sie, dass alle Dinge, die irgendwie regelhaft erscheinen auf einen Plan zurückgehen.

    In der Tat würde wohl niemand bezweifeln, "dass dem Bau unserer heutigen Computer ein aufwendiger Plan zugrunde liegt."
    Aber wie David Hume in den Dialogues Concerning Natural Religion (1777) zeigt, entbehrt der Analogieschluss jeder Glaubwürdigkeit:
    Von unserer häufigen Beobachtung, dass aus einem Haufen Baustoffe auf Grund von Plänen regelhafte Dinge (zB Häuser) entstehen, lässt sich nicht folgern, dass alle regelhaften Dinge irgendwie auf diese Art und Weise entstehen.
    Zwar kennen wir viele Fälle, da ein Haus aus ungeordneten Baustoffen entstand, jedoch keinen einzigen Fall, da eine Welt (oder ein Universum) aus irgendwelchen "dark materials" entstand - unserem Analogieschluss fehlt also die Grundlage.

    Abgesehen davon beobachten wir ständig regelhafte Ereignisse, die wir jedoch keinem unmittelbaren Planer zuschreiben, sondern bestimmten Gesetzmäßigkeiten, beziehungsweise (mehr oder weniger) zufälligen Vorgängen.

    Ferner lässt die Analogie nicht zu, auf einen einzigen Planer zu schließen; es könnten auch mehrere Planer für die Welt sich verantwortlich zeigen. Und angesichts der (behaupteten) Unvollkommenheit eben dieser beobachtbaren Welt, lässt sich auch berechtigt annehmen, dass der für sie verantwortliche Planer ein relativ inkompetenter Architekt gewesen sein muss - zumindest im Vergleich mit anderen (denkbaren) Architekten.
    Man könnte gar von einem bösartigen Planer ausgehen -- oder von einem Kind mit Chemiebaukasten...

    Dass selbst die komplexesten Systeme "nur ein Kinderspielzeug im Vergleich zu [...] jeder lebendigen Zelle" sind, spielt Ihrem Argument ebenfalls nicht in die Hände. Denn der Analogieschluss ist grundsätzlich unberechtigt. Dass zB die DNA tatsächlich "in höchstem Grade planmäßig ist", ist eine nicht zu rechtfertigende Behauptung: Sie ist in hohem Grade regelhaft (insofern wir das zu beurteilen im Stande sind), aber auf einen dafür verantwortlichen Planer lässt sich weder durch Erfahrung noch durch Vernunft. Schon gar nicht können wir auf einen Planer schließen, wie ihn uns die Heiligen Schrift veranschaulicht.

    Wer Ihrer haltlosen Analogie folgt (was vernünftigerweise niemand tut), könnte daher ebenso wie Bertrand Russell behaupten:
    "Die Welt, in der wir leben, lässt sich als das Ergebnis von Wirrwarr und Zufall verstehen; wenn sie jedoch das Ergebnis einer Absicht ist, muss es die Absicht eines Teufels gewesen sein. Ich halte den Zufall für eine weniger peinliche und zugleich plausiblere Erklärung."

    In jedem Fall ist Ihr - seit fast 250 Jahren widerlegtes - argument from design keine plausible Erklärung.

    Mit freundlichem Gruß,

    Alexander

  • von David
    03.11.2007 - 13:57

    Ist Ihnen eigentlich bewusst, was für einen Schwachsinn sie hier auf dieser Seite verbreiten?

    Die "Rechtfertigung" der Flutkatastrophe mögen Sie ja in ihrem banal-fatalistischem Glauben akzeptieren - das wäre mir ja noch egal, obwohl ich es schon erstaunlich fände.

    Aber die Rechnung, die sie in "Wieviel Irrtum enthält die Biebel?" anstellen entbehrt nun wirklich jeder Grundlage. Dir Rechenschritte sind alle wohl richtig, doch dieser Artikel geht von der bloßen Zahl schnell über zu abenteuerlichen Veranschaulichungsversuchen.... und die Grundlage, von der Sie schließen (3268 von Forschern bestätigte Fälle von Prophezeiungen) wird nicht im geringsten Belegt. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ist diese Argumentation vollkommen ungültig. Das mag Sie ja vielleicht nicht interessieren, denn wer ein ordentlicher Christ ist, der vertraut ja seiner Bibel mehr als jeder Wissenschaft. Doch dann können sie es auch gleich unterlassen, Versuche zu unternehmen, die "wissenschaftlich" aussehen und einen Beweis der Gültigkeit der Bibel darstellen sollen

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