Häufig gestellte Fragen (FAQs)

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2.8   Wie kann man den Bericht des NTs über das Leben Jesu glauben, wenn man sieht, daß er erst lange nach seinem Tod geschrieben wurde?

Es scheint unter vielen Menschen eine Art von allgemeiner Übereinstimmung darüber zu bestehen, daß die Dokumente des Neuen Testaments erst viele Jahre nach den Ereignissen geschrieben wurden und daher keine zuverlässigen Informationen enthalten.

Tatsache ist jedoch, daß das Leben Jesu von Augenzeugen beschrieben wurde oder von Menschen, die Zeugnisse aus erster Hand festhielten. Die Verfasser lebten alle zu der Zeit, als diese Ereignisse stattfanden, und sie hatten persönlichen Kontakt mit den Geschehnissen oder mit Zeugen der Geschehnisse.

Es gibt starke innere Beweise dafür, daß die Evangelien zu einem frühen Zeitpunkt geschrieben wurden. Die Apostelgeschichte berichtet von der missionarischen Tätigkeit der frühen Kirche und wurde als Fortsetzung von derselben Person geschrieben, die auch das Evangelium nach Lukas verfaßt hat. Das Buch der Apostelgeschichte endet zu Lebzeiten des Apostels Paulus in Rom, von seinem Tod wird nichts gesagt.

Dies zeigt uns, daß es geschrieben wurde, bevor er starb, da die anderen wichtigen Ereignisse seines Lebens alle berichtet werden. Wir haben Grund zu der Annahme, daß Paulus während der Christenverfolgung Neros im Jahre 64 n.Chr. hingerichtet wurde, was bedeutet, daß das Buch der Apostelgeschichte vor diesem Zeitpunkt verfaßt worden ist.

Wenn die Apostelgeschichte vor dem Jahre 64 n.Chr. geschrieben wurde, dann muß das Lukasevangelium, dessen Fortsetzung sie ist, einige Zeit früher entstanden sein, wahrscheinlich in den späten fünfziger oder sechziger Jahren des 1. Jahrhunderts. Christus starb um 30 n.Chr., wodurch die Entstehungszeit des Lukasevangeliums höchstens innerhalb von dreißig Jahren nach den Ereignissen liegt.

Die frühe Kirche lehrte allgemein, daß das Matthäusevangelium das erste war, was uns der Zeit Christi noch näher bringt. Dieser Beweis führt uns zu der Annahme, daß die ersten drei Evangelien alle innerhalb von dreißig Jahren nach den Ereignissen entstanden sind, zu einer Zeit, als noch feindselige Augenzeugen lebten, die ihrem Zeugnis widersprechen konnten, wenn es nicht richtig war.

Diese Art von Beweisen hat kürzlich einen unbefangenen Wissenschaftler, John A.T. Robinson, dazu veranlaßt, die neutestamentlichen Dokumente neu zu datieren, viel früher, als die meisten modernen Wissenschaftler uns glauben machen wollen. Robinson zeigte in Redating the New Testament, daß das gesamte Neue Testament vor 70 n.Chr. vollendet gewesen sein kann, was immer noch gut in der Zeit der Augenzeugen liegt.

Umstände, die mit dieser Streitfrage zusammenhängen, veranlaßten W.F. Albright, den großen biblischen Archäologen, zu dem Kommentar: »Wir können bereits mit Nachdruck sagen, daß es keine solide Grundlage mehr dafür gibt, irgendein Buch des Neuen Testaments nach 80 n.Chr. zu datieren, zwei ganze Generationen vor dem Datum zwischen 130 und 150, das heute von den radikaleren Kritikern des Neuen Testaments angegeben wird« (William F. Albright, Recent Discoveries in Bible Lands, New York, Funk and Wagnalls, 1955, S. 136).

Hinsichtlich des Johannesevangeliums könnte Albrights Datum 80 n.Chr. in Frage gestellt werden. Nach Offenbarung 1 besteht die Möglichkeit, daß die Verbannung des Apostels Johannes nach Patmos unter Domitian erst 95-96 n.Chr. stattgefunden hat. Es besteht eine starke Tradition, der zufolge Johannes die Offenbarung damals dort geschrieben hat. Bestätigt wird dies durch Klemens von Alexandria, Eusebius und Irenaeus (vgl. New Testaments Survey, S. 391, von Robert Gromacki).

Die Beweise zeigen, daß 1.) die Dokumente nicht lange Zeit nach den Ereignissen, sondern in enger zeitlicher Nähe dazu geschrieben worden sind und 2.) daß sie von Menschen während einer Periode geschrieben wurden, als viele von denen noch lebten, die mit den Tatsachen vertraut waren. Der unausweichliche Schluß ist, daß das neutestamentliche Bild von Christus vertrauenswürdig ist.