Häufig gestellte Fragen (FAQs)

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2.12   Wie kann man einer Bibel glauben, die voller Widersprüche ist?

Es ist wirklich erstaunlich, wie oft diese Frage gestellt wird. Diese Frage unterstellt, daß die Bibel voll von Widersprüchen sei, die es unmöglich machen würden, an den göttlichen Ursprung der Bibel zu glauben. Es ist eine populäre Haltung, zu behaupten, daß die Bibel sich selbst widerspreche, was beträchtlichen Zweifel auf ihre Glaubwürdigkeit wirft.

Sollte die Bibel tatsächlich nachweisbare Irrtümer enthalten, so würde das beweisen, daß zumindest diese Teile nicht von einem vollkommenen, allwissenden Gott stammen können. Wir bestreiten nicht diese Schlußfolgerung, sondern die ursprüngliche Prämisse, daß die Heilige Schrift voll von Fehlern sei. Es ist sehr leicht, die Bibel der Ungenauigkeit zu beschuldigen, aber etwas ganz anderes ist es, das auch zu beweisen.

Bestimmte Abschnitte scheinen auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein, aber eine eingehendere Untersuchung zeigt, daß dies nicht der Fall ist.

Eines der Dinge, die wir im Hinblick auf mögliche Widersprüche fordern, ist Fairneß. Wir sollten das Problem weder herunterspielen noch übertreiben, und wir müssen immer davon ausgehen, im Zweifelsfalle dem Autor recht zu geben. Das ist in der übrigen Literatur die Regel, und wir verlangen, daß es auch hier die Regel ist. Wir stellen oft fest, daß die Leute andere Regeln anlegen wollen, wenn es darum geht, die Bibel zu untersuchen, und dem treten wir unverzüglich entgegen.

Woraus besteht ein Widerspruch? Der Satz des ausgeschlossenen Widerspruchs, die Grundlage allen logischen Denkens, besagt, daß ein Ding nicht gleichzeitig A und Nicht-A sein kann. Mit anderen Worten, es kann nicht gleichzeitig regnen und nicht regnen.

Wenn man eine Verletzung dieses Prinzips in der Schrift nachweisen kann, dann und nur dann läßt sich ein Widerspruch belegen. Wenn die Bibel z.B. sagen würde – was sie nicht tut – daß Jesus gleichzeitig in Jerusalem und in Nazareth durch Kreuzigung starb, dann wäre das ein nachweisbarer Irrtum.

Bei der Betrachtung möglicher Widersprüche ist es von größter Bedeutung, sich daran zu erinnern, daß zwei Aussagen voneinander abweichen können, ohne widersprüchlich zu sein. Manche versäumen es, die Unterscheidung zwischen Widerspruch und Abweichung zu treffen.

Da ist z.B. der Fall der blinden Männer in Jericho. Matthäus berichtet, daß zwei blinde Männer Jesus trafen, während Markus und Lukas nur einen erwähnen. Doch keine dieser beiden Aussagen leugnet die andere, vielmehr ergänzen sie einander.

Stellen Sie sich vor, Sie sprechen im Rathaus mit dem Bürgermeister Ihrer Stadt und mit dem Polizeichef. Später treffen Sie Ihren Freund Jim und erzählen ihm, daß Sie heute mit dem Bürgermeister gesprochen haben. Eine Stunde später treffen Sie Ihren Freund John und erzählen ihm, daß Sie heute sowohl mit dem Bürgermeister, als auch mit dem Polizeichef gesprochen haben.

Wenn Ihre Freunde ihre Meinungen austauschen, finden sie einen scheinbaren Widerspruch. Aber es gibt keinen Widerspruch. Wenn Sie Jim gesagt hätten, daß Sie nur mit dem Bürgermeister gesprochen haben, dann hätten Sie mit dieser Aussage dem widersprochen, was Sie John gesagt haben.

Die Aussagen, die Sie tatsächlich gegenüber Jim und John getroffen haben, sind unterschiedlich, aber nicht widersprüchlich. Ähnlich fallen auch viele biblische Aussagen in diese Kategorie. Viele glauben Irrtümer in Passagen zu finden, die sie nicht richtig gelesen haben.

Im Buch der Richter haben wir einen Bericht über den Tod des Sisera. Richter 5,25-27 soll angeblich besagen, daß Jael ihn mit Hammer und Pflock erschlug, während der Milch trank. Richter 4,21 sagt, daß sie es tat, als er schlief. Doch genaueres Lesen von Richter 5,25-27 wird zeigen, daß dort nicht behauptet wird, er habe im Augenblick des Zuschlagens Milch getrunken. So verschwindet der Widerspruch.

Manchmal scheinen zwei Passagen widersprüchlich zu sein, weil die Übersetzung nicht so genau ist, wie sie sein könnte. Die Kenntnis der ursprünglichen Sprachen der Bibel kann diese Schwierigkeiten sofort beseitigen, denn sowohl das Griechische als auch das Hebräische besitzen – wie alle Sprachen – Besonderheiten, die es schwierig machen, sie ins Deutsche oder eine andere Sprache zu übertragen.

Es muß auch betont werden, daß es unvernünftig ist zu behaupten, eine Passage der Bibel enthalte einen nachweisbaren Fehler, wenn es für diese Schwierigkeit eine mögliche Erklärung gibt. Manche Probleme in der Schrift resultieren aus einer unzureichenden Kenntnis der Umstände und setzen nicht unbedingt einen Irrtum voraus. Sie beweisen nur, daß wir den Hintergrund nicht kennen. Mit dem Fortschreiten der historischen und archäologischen Forschung wird neues Licht auf schwierige Abschnitte geworfen, und viele ›Irrtümer‹ sind mit dem neuen Verständnis verschwunden. Manche Probleme machen eine abwartende Haltung notwendig.

Wenn auch noch nicht alle Schwierigkeiten und Widersprüche in der Bibel geklärt sind, so ist es doch unsere feste Überzeugung, daß diese Probleme verschwinden werden, je mehr Kenntnisse man über die Umwelt der Bibel gewinnt. Die biblische Vorstellung von Gott ist die eines allwissenden, allmächtigen Wesens, das sich nicht selbst widerspricht, und so sind wir überzeugt, daß auch sein Wort, wenn es richtig verstanden wird, sich nicht widerspricht.